Objekt des Monats

Stoßdegen (Rapier) von Wolfgang Stantler, um 1620, Inv. Nr. A 5415 © Bayerisches Armeemuseum

Inszenierung "Die Schlacht in der Frühen Neuzeit" in der Dauerausstellung "Formen des Krieges 1600-1815" © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Neue Dauerausstellung ab 4. Juni 2019

Formen des Krieges
1600-1815

Der erste Abschnitt der neuen Dauerausstellung des Bayerischen Armeemuseums zeigt die Formen des Krieges in der Zeit von etwa 1600 bis 1815. Sie ist im Neuen Schloss in Ingolstadt zu sehen, einem stattlichen Bau der Gotik, der im 15. Jahrhundert für die bayerischen Herzöge errichtet wurde.

 

Arsenal und Museum

Blick in die Dürnitz © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Erich Reisinger)Woher kommt das Museum? Im ersten Saal, der Dürnitz des Schlosses, ist eine große Zahl alter Waffen aufgestellt. So wird sichtbar, dass der älteste Teil der Sammlung des Museums auf die alten Zeughäuser in Bayern zurückgeht. Jahrhundertelang wurden hier nicht nur Waffen für den Gebrauch, sondern auch wertvolle Erinnerungsstücke aufbewahrt. Heute ist es wichtig, die Geschichte des Museums zu erzählen. Es wurde 1879 in München gegründet, um die Zeugnisse der bayerischen Vergangenheit dem Publikum zu zeigen. Damals tat man das voller Stolz über die militärischen Leistungen der Vergangenheit, vor allem den Krieg gegen Frankreich in den Jahren 1870/71. Aber man begann auch, die Dinge genauer zu erforschen und trat in Kontakt zu vielen anderen Museen der Welt.
Das Museum wurde 1945 schwer beschädigt, 1972 zog es nach Ingolstadt um. Die Stücke der Sammlung sind heute nicht mehr Trophäen, sondern Zeugnisse einer wechselvollen und von Krieg und Gewalt geprägten Geschichte.

 

Schatzkammer

Buckler oder Parierschild, Italien 15. Jahrhundert, Inv. Nr. A 8460 © Bayerisches Armeemuseum (Photo: Carlo Paggiarino)Aber natürlich gibt es auch hier Schätze. Für sie wurde in einem Turmraum sogar eine eigene Schatzkammer eingerichtet. Hier sind aber nicht Beutestücke zu sehen, sondern Dinge, die aufgrund ihrer Seltenheit ganz besonders wertvoll sind. Eine Pirschbüchse diente dem Pfalzgrafen Ottheinrich bei der Jagd. Das einzigartige Gewand eines europäischen Soldaten, gefunden in Peru, aus dem 16. Jahrhundert ist ein Zeugnis der frühen, gewaltsamen Expansion Europas nach Amerika.
In der Mitte steht aber die so genannte Passauer Rüstung aus der Zeit um 1350 – ein Vorläufer der späteren eisernen Harnische, wie sie dann von den europäischen Rittern getragen wurden.

 

Die Schlacht

Schlacht von Höchstädt, Öl auf Leinwand, Jan van Huchtenburgh, kurz nach 1704, Inv. Nr. 0496-1971 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Im Zentrum des Krieges standen die großen Schlachten. Im Obergeschoss, im ehemaligen Tanzsaal des Schlosses, werden sie dargestellt. Die gegnerischen Truppen trafen auf offenem Feld aufeinander. In wenigen Stunden wurden oft Tausende von Soldaten getötet und verwundet. Die Entfernungen, auf welche die Geschosse der Gewehre und Kanonen treffen konnten, waren gering. Die Kämpfer standen sich Auge in Auge gegenüber. Es kam immer wieder zum Nahkampf mit Hieb- und Stichwaffen. Besonders furchterregend war die Reiterei. Aber die Feuer-waffen wurden immer zahlreicher und wirkungs-voller. Die Taktik musste sich daran anpassen. Die strenge Disziplin, mit der die Soldaten zu Fuß in die Schlacht marschierten, ist heute kaum mehr vorstellbar.
Die Ausstellung zeigt die Waffen und Ausrüstungen der Krieger, der Kampf wird sehr anschaulich. Aber sie zeigt auch Verwundung und Not. Die Knochen, die in einem Massengrab aus der Schlacht von Alerheim (1645) gefunden wurden, geben konkretes Zeugnis von Leben, Leid und Tod der Soldaten.

 

Belagerungen

18-pfündiger Mörser, gegossen von Johann Conrad Roth in Forchheim, 1687, Inv. Nr. C 14 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Festungen spielten in fast allen europäischen Kriegen dieser Zeit eine bestimmende Rolle. Tatsächlich gab es deutlich mehr Belagerungen als große Schlachten. Befestigte Städte waren die am härtesten umkämpften Orte. Gegen die immer aufwendigere Befestigungsweise mit Bastionen, Wällen und Gräben entwickelte sich seit etwa 1670 eine systematische Angriffstechnik mit Laufgräben und Geschützbatterien. Die Vorbereitung und der Verlauf einer Belagerung waren bestimmt von einer gewaltigen Mobilisierung von Menschen und Material.
Im Zentrum des Raumes steht das einzigartige Planungsmodell der Festung Ingolstadt (um 1570). Mit dem Festungswesen beschäftigten sich die bedeutendsten Architekten der Zeit. All die Pläne und kunstvollen Zeichnungen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie grausam und zerstörerisch auch der Festungskrieg war. Objekte aus einer großen Ausgrabung vom Gelände gleich nördlich des Neuen Schlosses lenken den Blick besonders auf die schwere Arbeit der Festungsarbeiter. Eine originale Schubkarre aus dem Jahr 1537 steht dem Festungsmodell gegenüber.

 

Der Kleine Krieg

Die Schrecken des Krieges, Jacques Callot, Les misères et les malheurs de la guerre, Inv. Nr. 0003-2014.17 © Bayerisches ArmeemuseumDer Alltag des Krieges bestand aber nicht nur aus den großen Schlachten und Belagerungen. Viel belastender waren oft die Märsche und Feldlager. Hinzu kam die Ausbeutung des Landes, die den Krieg erst möglich machte. Die Truppen waren ständig unterwegs, um sich selbst zu ernähren oder dem Gegner die Versorgung zu erschweren. Die Zeitgenossen nannten dies den „Kleinen Krieg“. Unter ihm litt die Zivilbevölkerung am meisten. Sie wurde
beraubt und terrorisiert. Ob die Truppen der feindlichen Macht angehörten oder dem eigenen Landesherren, machte dabei oft kaum einen Unterschied. Sehr häufig begaben sich in Kriegszeiten bewaffnete Banden auch selbständig auf Beutezug. Im Zentrum des Raumes stehen zwei Helme von Soldaten, die beim Plündern erschlagen wurden.

Leaflet "Forms of War" (Bavarian Army Museum)


Leaflet Museum of he First World War © Bayerisches Armeemuseum


Flyer Bayerisches Polizeimuseum 2016 © Bayerisches Armeemuseum

Actuel

Das Alte Armeemuseum im Hofgarten in München, eröffnet 1905, Farbpostkarte, Inv. Nr. 0599-2018 © Bayerisches ArmeemuseumMittwoch, 10.07.2019, 18.00 Uhr
Vortrag
Die Geschichte des Bayerischen Armeemuseums

Neues Schloss

Blick in einen Ausstellungsraum im Polizeimuseum (Foto: U. Rössle)Dienstag, 23.07.2019
"Museum erzählt Geschichte Hautnah"
Projekttag für Schulen
im Bayerischen Polizeimuseum

Nacht der Museen 2019Samstag, 07.09.2019, ab 18.00 Uhr
Nacht der Museen
Neue Schloss

Planungsmodell der Festung Ingolstadt (um 1566), Inv. Nr. N 5104 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Mittwoch, 18.09.2019, 18.00 Uhr
Vortrag Belagerung in der Frühen Neuzeit
Neues Schloss

Überfall auf einen Wagenzug, Gemälde von Anton Hofmann (1863-1938), Inv. Nr. 1159-2002 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Gert Schmidbauer)Mittwoch, 13.11.2019, 18.00 Uhr
Der "Kleine Krieg" in der Frühen Neuzeit (Vortrag)
Neues Schloss

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