Objekt des Monats


Kissen gefertigt aus einer Trompetenfahne Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, vermutlich 1613, Inv.-Nr. A 6161 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Erich Reisinger)

Der Besuch des Museums ist wieder ohne 3G-Auflagen möglich, wir empfehlen jedoch, im Museum weiterhin eine Maske zu tragen.
Im Reduit Tilly besteht aufgrund der räumlichen Enge des Gebäudes
weiterhin die Verpflichtung zum Tragen einer medizinischen Maske.

Das Reduit Tilly und der Turm Triva sind am 3.9.2022 leider geschlossen, das Neue Schloss öffnet von 18.00 bis 0:00 Uhr.
Alle drei Häuser des Bayerischen Armeemuseums öffnen am 4. September erst um 12 Uhr.

An den folgenden Tagen ändern sich wegen der Veranstaltung "Mut zum Hut" die Öffnungszeiten des Neuen Schlosses folgendermaßen:
22.09.2022: Ganztägig geschlossen
23.09.2022: 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr
24.09.2022: 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr
25.09.2022: 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Ludwig Baumann (Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V.)Zeitzeugengespräch mit Ludwig Baumann
(Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V.)

15. September 2011, 19.00 Uhr im Neuen Schloss

Der 1921 in Hamburg geborene Ludwig Baumann wurde 1940 eingezogen und diente als Marinegefreiter in der deutschen Wehrmacht. 1942 floh er mit einem Kameraden aus Bordeaux von seinem Stützpunkt in Zivilkleidung. Sie wurden gefasst,  vor ein Marinegericht gestellt und zum Tode verurteilt.
Nach Folterung und zehnmonatiger Haft in der Todeszelle gelang es durch den Einfluss des Vaters eine Begnadigung auf 12 Jahre Zuchthaus zu erwirken. Baumann und sein Kamerad wurden in ein Strafbataillon versetzt, das an vorderster Front den Vormarsch der Roten Armee aufhalten sollte. Der Kamerad fiel, Baumann überlebte verwundet in einem Lazarett in Brünn.

Nach dem Krieg wurde Ludwig Baumann als Feigling und Vaterlandsverräter verachtet, obwohl er sich gegen das menschenverachtende Regime der Nazis gestellt hatte. Sogar der Vater und die Schwester wiesen ihn ab. Das Leben im Nachkriegsdeutschland mit zuletzt sechs Kindern war sehr schwer für den Deserteur. Schließlich gründete er 1990 mit 37 Betroffenen die „Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V.“ mit dem Ziel der vollständigen Rehabilitierung von Deserteuern, Kriegsdienstverweigerern und so genannten „Wehrkraftzersetzern“. Baumann bekam Drohbriefe und musste sich wieder als „Volksschädling“ beschimpfen lassen. Aber das Klima in der BRD änderte sich und nach langjährigen Diskussionen hob der Bundestag die „Unrechtsurteile“ der NS-Zeit auf – 2009 schließlich auch die Urteile gegen die „Kriegsverräter“.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden von deutschen Militärgerichten 30.000 Todesurteile verhängt, von denen 20.000 vollstreckt wurden. Ludwig Baumann entkam durch viel Glück diesem Schicksal und kämpfte 20 Jahre für eine Rehabilitierung. Er dürfte einer der wenigen noch lebenden direkt Betroffenen sein.

Herr Baumann reiste trotz seines hohen Alters von seinem Heimatort Bremen nach Ingolstadt und erzählte ausführlich über sein Schicksal. Viele Besucher stellten eine Reihe von Fragen und zeigten sich beeindruckt von der Veranstaltung im Schönen Saal des Neuen Schlosses.

Das Zeiteugengespräch fand im Rahmen der Sonderausstellung „»Was damals Recht war ... « Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“ statt.

Ludwig Baumann bei seinem Vortrag im Schönen Saal des Neuen SchlossesLudwig Baumann bei seinem Vortrag im Schönen Saal des Neuen Schlosses