Objekt des Monats


Kissen gefertigt aus einer Trompetenfahne Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, vermutlich 1613, Inv.-Nr. A 6161 © Bayerisches Armeemuseum (Foto: Erich Reisinger)

Der Besuch des Museums ist wieder ohne 3G-Auflagen möglich, wir empfehlen jedoch, im Museum weiterhin eine Maske zu tragen.
Im Reduit Tilly besteht aufgrund der räumlichen Enge des Gebäudes
weiterhin die Verpflichtung zum Tragen einer medizinischen Maske.

Das Reduit Tilly und der Turm Triva sind am 3.9.2022 leider geschlossen, das Neue Schloss öffnet von 18.00 bis 0:00 Uhr.
Alle drei Häuser des Bayerischen Armeemuseums öffnen am 4. September erst um 12 Uhr.

An den folgenden Tagen ändern sich wegen der Veranstaltung "Mut zum Hut" die Öffnungszeiten des Neuen Schlosses folgendermaßen:
22.09.2022: Ganztägig geschlossen
23.09.2022: 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr
24.09.2022: 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr
25.09.2022: 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Brechscheibe
(Landshut, Ende 15. Jahrhundert)

Brechscheibe, Landshut Ende 15. Jahrhundert, Inv. Nr. 0717-1972 © Bayerisches ArmeemuseumRitterturniere waren im Mittelalter sportliche und gesellschaftliche Großereignisse ersten Ranges. Noch heute kennt sie jedes Kind, wenn auch meist die Meinung vorherrscht, dass es sich dabei ausschließlich um den Kampf zweier geharnischter Reiter handelt, die versuchen, sich mit Lanzen aus dem Sattel zu stoßen. In Wahrheit waren diese Rennen genannten Zweikämpfe nur ein Teil von vielen „Disziplinen“, die ein Turnier ausmachten. Vor allem Kaiser Maximilian I. (1459-1519), oft fälschlich als letzter Ritter bezeichnet, förderte das Turnierwesen in besonderer Weise. Neben dem Rennen, also dem Zweikampf mit spitzen Lanzen, gab es das Stechen mit stumpfen, drei oder mehrzackigen Spießeisen (Krönlein genannt). Darüber hinaus war im Mittelalter das eigentliche Turnier der Massenkampf (Buhurt) mit Keulen und (stumpfen) Schwertern. Im Nachturnier versuchte man dann noch die Helmzier, also die heraldischen Zeichen, die auf den Helmen angebracht waren, mit dem Schwert herunter zu schlagen. Umfangreiche Festivitäten und Rituale, wie die öffentliche Zurschaustellung der Helme, rundeten diese mehrtägigen Veranstaltungen im 15. und 16. Jahrhundert ab.
Der Tjost, also der Zweikampf mit Lanzen zu Pferd, erforderte hochspezialistierte Ausrüstung, perfekt trainierte Pferde und sehr gut ausgebildete Kämpfer. Die besonders exponierte rechte Hand, die die Lanze hielt, wurde mit einer Brechscheibe geschützt, die über die Stange geschoben wurde. Diese Schutzvorrichtung war beim Stechen kleiner, da der rechte Arm durch das stählerne Armzeug geschützt war. Beim Rennen hingegen wurde ohne Armzeug gegeneinander angetreten, so dass eine größere Brechscheibe, ein Brechschild, verwendet wurde. Da die Lanze sehr schwer zu halten war, legte man sie in den Rüsthaken ein, der an der Harnischbrust befestigt war. Um das Übergewicht abzufangen hielt der am Rücken angebrachte Rasthaken die Lanze in der Schwebe.
Die Stangen selbst waren in der Regel einfache, möglichst gerade gewachsene Fichten oder Tanenstämme, die entrindet wurden. Teilweise waren sie auch farbig bemalt.
Die hier gezeigte Brechscheibe ist aus drei Teilen zusammen gesetzt und zusammengenietet. Die Nietköpfe wurden mit Messing verziert. Das sehr einfach gestaltete Stück trägt die Marke von Landshut und des Matthes Deutsch, einem Landshuter Plattners, der erstmals Ende des 15. Jahrhunderts bezeugt ist.

Das Stück ist derzeit wegen der Baumaßnahmen im Neuen Schloss im Depot des Museums eingelagert (Inv. Nr. 717-1972).