The visit of the museum is again possible without 3G requirements, but we recommend to continue wearing a mask in the museum.
In the Reduit Tilly, due to the confinement of the building, there is still an obligation to wear a medical mask.

All three houses of the museum will be closed for an event on 14 and 15 July 2022!
On 16 July 2022 only the New Castle will be open!

Souvenir für den Hunger – Ein Erinnerungsstück an die Brotration während  der Belagerung von Paris 1870/71
(1870/71)

Souvenir für den Hunger – Ein Erinnerungsstück an die Brotration während  der Belagerung von Paris 1870/71, Inv.-Nr. B 5145 © Bayerisches ArmeemuseumAm 19. September 1870 schloss sich der Belagerungsring deutscher Truppen um Paris. Mehr als vier Monate lang sollte die 2,3 Millionen-Einwohner-Metropole weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten bleiben. Obschon die französischen Behörden zuvor große Mengen von Lebensmittel in die Stadt verbracht hatten, litt die Bevölkerung schon bald unter Nahrungsmittelknappheit. Lebensmittelkarten mussten ausgegeben werden, nach denen jedem Einwohner täglich 300 g Brot zustanden. Kurz bevor sich die Mehlvorräte ihrem Ende zuneigten, kapitulierte Paris am 28. Januar 1871.
Schon wenige Wochen später wurden Erinnerungsstücke an die Hungerszeit verkauft. In den Pariser Depots lagernde Reste von rationiertem Brot wurden auf eine Pappe geklebt und eingerahmt. Der aufgedruckte Text vermittelte mit seiner Ironie eine politische Botschaft: „Brioche dynastique. Souvenir et friandise du siège de Paris 1870“ (Dynastisches Gebäck. Erinnerung und Naschwerk der Belagerung von Paris 1870). Die Bezeichnung „dynastique“ ist als Schuldzuweisung an den bereits im September 1870 gestürzten Kaiser Napoleon III. zu verstehen, der im republikanischen Frankreich als Hauptverantwortlicher für die Misere galt.
Das hier gezeigte Objekt mit seinen Maßen von 11,3 x 13 cm wurde dem Bayerischen Armeemuseum von einem Herrn von Parseval im April 1912 geschenkt. Sehr wahrscheinlich hatte er oder ein Vorbesitzer das Souvenir 1871 in Frankreich käuflich erworben. Als die Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg die Rückführung sämtlicher Beutestücke aus dem Krieg 1870/71 forderten, vermerkte ein Angehöriger des Bayerischen Armeemuseums unter dem 31. März 1921 im Inventarbuch eine angeblich Rückgabe an Frankreich. Dessen ungeachtet verblieb dieses Erinnerungsstück in den Sammlungen des Bayerischen Armeemuseums (Inv.-Nr. B 5145).