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Generalleutnant Wilhelm von Jordan und Prinzessin Wackerstein
Eine medizinisch-historische Untersuchung zu den Mumien von Wackerstein

Vortrag von Prof. Dr. Andreas Nerlich
25. April 2023, 18:00 Uhr
Neues Schloss


Professor Dr. Andreas Nerlich und sein Team bei der Autopsie einer natürlichen Gruftmumie aus dem 19. Jahrhundert © Prof. Dr. Andreas Nerlich (privat)Professor Dr. Andreas Nerlich, Professor für Pathologie der Ludwig-Maximilans-Universität München, berichtet über seine Forschungen zu den Mumien in Wackerstein. Der Flügeladjutant des ersten bayerischen Königs, die Hofdame der Königin, ein mumifiziertes Kind, der König selbst und sein erster Minister, das sind die Hauptpersonen in einer spannenden »Kriminalgeschichte«, wie sie in den Jahren 1814 bis 1816 in »höchsten Kreisen« tatsächlich geschehen ist.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung zu den Mumien der Jordan-Gruft von Wackerstein kann eine ganze Reihe von "Geheimnissen" der Personen aus der Zeit des ersten bayerischen Königs, Max I. Joseph, lüften, die hier stichpunktartige Erwähnung finden sollen: eine steile militärische Karriere in der königlich-bayerischen Armee in den napoleonischen Kriegen, eine ungewöhnliche "Express"-Reise nach Italien, ein früh verstorbenes Kind, der Erwerb wie auch der Verkauf großer Ländereien und Güter und eine Reihe von medizinisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu den beigesetzten Personen, das sind die "Zutaten" zu einem umfassenden Familienbild aus dem frühen 19. Jahrhundert, das in den Vortrag präsentiert werden soll.

Der junge Preuße Wilhelm von Jordan kam nach Bayern, um sein Glück zu machen. Nachdem Jordan vergeblich versucht hatte, in diplomatischen Diensten des preußischen Königs Karriere zu machen, wechselte er nach Bayern und wurde vom Diplomaten zum Militär.
Durch Kühnheit auf dem Schlachtfeld, Treue und diplomatisches Geschick und Dienste verschiedenster Art machte sich dieser beim bayerischen Herrscher – den Napoleon 1806 zum König Max I. Joseph machte – unentbehrlich. Entlohnt wurde Wilhelm von Jordan dies mit einem bayerischen Freiherrentitel und mehrfachen erheblichen finanziellen Vergünstigungen, die es ihm erlaubten, standesgemäß die Hofdame Gräfin Violante von Sandizell zu heiraten. Der Erwerb des Schlossgutes Wackerstein an der Donau bot ihm eine gute Grundlage, eine Familiendynastie zu gründen. Allerdings war sein Weg auch mit zahlreichen (teils juristischen, teils persönlichen) Auseinandersetzungen gepflastert und Jordan scheute sich auch nicht, die Geburt der ersten Tochter Carolina für einen fast schon kriminellen Coup gegenüber dem bayerischen König auszunutzen.
Immerhin konnte der einst mittellose Jordan zum Ende seines Lebens hin nicht nur das Gut Wackerstein bei Ingolstadt, sondern auch das Schlösschen Suresnes in Schwabing und in Andechs das ehemalige Klostergut samt Bräuhaus und Klostergut sein Eigen nennen.
Doch alles Irdische ist nicht von Dauer. Jordans einziger Sohn starb jung und ohne Nachkommen. Aller Besitz wurde von Jordans Witwe Violante verkauft.
Geblieben ist das Porträt von Wilhelms und Violantes Tochter Mathilde in der Schönheitengalerie von König Ludwig I. in Nymphenburg. Geblieben sind auch die Mumien der Familie Jordan in ihrer kleinen Gruft bei Wackerstein.
Die sehr gut erhaltenen Mumien von Wilhelm von Jordan, der kleinen Carolina, dem Sohn Max und letztlich seiner Frau Violante boten einer naturwissenschaftlichen Untersuchung Zugang zu einer Fülle von Daten und Fakten, die die Lebenswege, insbesondere deren letzte Strecken, und die Todesursachen aufdecken konnten, so dass eine umfassende Biographie dieser bayerischen Adelsfamilie nachgezeichnet werden konnte. Es entstand eine interdisziplinäre spannende Geschichte aus dem Adelsleben in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Prof. Dr. Dr. Andreas Nerlich leitet die Institute für Pathologie der Standorte
Bogenhausen und Schwabing der München Klinik. Darüber hinaus beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit dem Leben und Leiden von historischen Bevölkerungen und Personen (Paläopathologie). Neben langjähriger Beteiligung an Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Ägypten hat Nerlich auch zahlreiche Untersuchungen an historischen Personen, so dem Eismann „Ötzi“ und lokalen bekannten Personen, wie der Seligen Irmingard vom Kloster Frauenchiemsee, durchgeführt.

Das Bayerische Armeemuseum ist eines der großen militärhistorischen Museen in Europa. Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf Bayern in seinem europäischen Kontext. Sie reichen vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart.

Die Aufgabe des Bayerischen Armeemuseums ist auf der Grundlage seiner Sammlungen die kritische und historisch genaue Reflexion von Militär und kriegerischer Gewalt in der Geschichte und ihrer Auswirkungen auf Mensch, Gesellschaft und Staat.